Bundesregierung/Ludwig Wegmann
* geboren 13.10.1925
in
Grantham
† gestorben 08.04.2013
in
London
Chemikerin, Ministerin, Premierministerin
| 1943-1947 | Chemiestudium am Somerville College, Oxford |
| 1947 | Präsidentin der Konservativen Vereinigung der Studenten in Oxford, Jurastudium |
| 1947-1951 | Chemikerin in der industriellen Forschung |
| 1951 | Vergebliche Kandidatur bei den Unterhauswahlen im Wahlkreis Dartford |
| ab 1954 | Jurastudium und anschließend Tätigkeit als Anwältin |
| 1959-1992 | Wahl in das Unterhaus als Abgeordnete für den Wahlkreis Finchley (Nord-London) |
| Oktober 1961 | Parlamentarische Staatssekretärin im Renten- und Versicherungsministerium in der Regierung Macmillan |
| 1964-1970 | Oppositionssprecherin der Konservativen Partei im Unterhaus |
| 1970-1974 | Ministerin für Erziehung und Wissenschaft in der Regierung Heath |
| Februar 1974 | Finanzpolitische Sprecherin der oppositionellen Konservativen Partei im Unterhaus |
| 1975 | Oppositionsführerin und Wahl zur Vorsitzenden der Konservativen Partei als Nachfolgerin von Edward Heath |
| 1979-1990 | Premierministerin als Nachfolgerin von James Callaghan (Labour Partei); Wiederwahl 1983 und 1987 |
| 11.11.1984 | Bombenanschlag auf das Hotel in Brighton, in dem sich die Teilnehmer des Konservativen Parteitags aufhielten; Thatcher übersteht das Attentat unverletzt. |
| 22.11.1990 | Verzicht auf den Parteivorsitz (im 1. Wahlgang verfehlt Thatcher mit 204 Stimmen das notwendige Quorum zur Wiederwahl) |
| 28.11.1990 | Rücktritt vom Amt der Premierministerin |
| Juni 1991 | Verzicht auf eine erneute Kandidatur bei den Unterhauswahlen 1992 |
| 1992 | Erhebung in den Adelsstand (Baroness Thatcher of Kesteven) |
„Dieses Wahlergebnis wird überall in Europa als Signal der Hoffnung verstanden.“ So enthusiastisch beschrieb Helmut Kohl Ende 1979 in einem Brief an Margaret Thatcher ihren Amtsantritt als Premierministerin. Eine engere Zusammenarbeit seiner CDU mit den britischen Konservativen sah er als Chance, eine freiheitliche Politik in Europa zu fördern. Auch in Thatchers Regierung suchte man den Austausch mit der CDU. Als Kohl Thatcher nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler 1983 in Chequers traf, lobte er das „ungewöhnlich angenehme Gesprächsklima“ und die Übereinstimmung in wesentlichen außenpolitischen Fragen.
Trotz dieser positiven Anfänge verband Thatcher und Kohl ein komplexes und zunehmend distanziertes Verhältnis. Neuere Forschungen betonen neben den Konflikten der Europa- und Deutschlandpolitik auch die Bedeutung von Emotionen und Geschlechterzuschreibungen. Häufig stehen dabei die späten Auseinandersetzungen um die deutsche Wiedervereinigung im Mittelpunkt. Ein Blick auf Thatchers politischen Werdegang und die frühen Jahre der Zusammenarbeit zeigt jedoch, dass das Verhältnis keineswegs von Beginn an konfliktgeladen war. Trotz wachsender Spannungen blieb die deutsch-britische Kooperation über weite Strecken pragmatisch und funktional.
1959 zog Thatcher für den Londoner Wahlkreis Finchley ins Unterhaus ein. Unter Premierminister Edward Heath stieg sie 1970 zur Bildungsministerin auf, bevor sie sich nach der konservativen Wahlniederlage von 1974 überraschend gegen Heath als Parteivorsitzende durchsetzte. Damit wurde sie 1975 zur ersten weiblichen Anführerin einer der beiden großen britischen Parteien.
Den Vorbehalten im männlich geprägten Politikbetrieb begegnete Thatcher mit einem politischen Stil, der betont feminines Auftreten mit rhetorischer Härte verband. Dies zeigte sich in einer Rede vor ihrem konservativen Wahlkreisverband in Finchley im Januar 1976, in der sie auf den ihr kurz zuvor von der sowjetischen Presse verliehenen Beinamen „Iron Lady“ reagierte. Einleitend verwies Thatcher ironisch auf ihr Chiffonabendkleid und ihr sanft gewelltes Haar, um anschließend ihre unnachgiebige Haltung im Kalten Krieg zu bekräftigen: „We must not forget the guns and missiles aimed at us.“
Im Mai 1979 wurde sie zur ersten britischen Premierministerin gewählt. Sie setzte auf monetaristische Inflationsbekämpfung, marktwirtschaftliche Reformen und eine Zurückdrängung staatlicher Eingriffe und griff dabei pragmatisch auf wirtschaftsliberale Ideen von Friedrich August von Hayek und Milton Friedman zurück. Zunächst führte dies zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und einem Zusammenbrechen traditioneller Industriezweige, bevor ab 1981 eine wirtschaftliche Erholung einsetzte.
Außenpolitisch profilierte sich Thatcher rasch als unnachgiebige Vertreterin britischer Interessen. Sie trat als überzeugte Antikommunistin auf und setzte sich im Falklandkrieg 1982 militärisch gegen Argentinien durch. Mit der Aufhebung von Kapitalverkehrskontrollen und der umfassenden Neuordnung des Wertpapierhandels im „Big Bang“ von 1986 gewann der Londoner Finanzplatz weiter an Bedeutung. Zugleich orientierte sich Thatcher eng am transatlantischen Bündnis, während sie einer weiteren politischen Integration Europas zunehmend skeptisch gegenüberstand.
KAS/Guenay Ulutuncok
Nach ihrem Amtsantritt 1979 tauschte sich Thatcher mit Helmut Kohl zunächst vor allem auf Parteiebene aus. Bereits 1975 hatte sie bei Gesprächen in Bonn erklärt, die Zusammenarbeit mit konservativen Parteien in Europa stärken zu wollen. Auch in ihrem Umfeld galt eine engere Kooperation mit den europäischen Christdemokraten als wichtig, da sozialistische und sozialdemokratische Parteien ihre Zusammenarbeit im Europäischen Parlament bereits stärker organisiert hatten.
Die CDU erschien dabei als wichtiger Partner, um Differenzen zwischen britischem Konservatismus und kontinentaleuropäischer Christdemokratie zu überbrücken. Auf christdemokratischer Seite bestanden Vorbehalte gegen den Begriff „konservativ“ und den marktwirtschaftlichen Kurs der Tories. Umgekehrt betrachteten viele britische Konservative die christdemokratische Verbindung aus europäischer Integration, Sozialstaat und Konsenspolitik skeptisch. Die Konservative Partei gehörte deshalb nicht der Europäischen Volkspartei (EVP) an, sondern der European Democratic Group (EDG) mit kleineren konservativen Parteien. Kohl galt in London als wichtiges Bindeglied, da er sich für eine engere Zusammenarbeit beider Gruppierungen einsetzte und Offenheit für marktwirtschaftliche Reformen zeigte.
So bekräftigte Thatcher als Gastrednerin bei dem CDU-Parteitag 1976 in Hannover ihren Wunsch nach einer engen Freundschaft beider Parteien, gefeiert mit Standing Ovations. Der Wahlkampfslogan „Freiheit statt Sozialismus“ unterstrich die politischen Schnittmengen. Dass die CDU stärker auf supranationale Integration und die deutsch-französische Zusammenarbeit setzte als die britischen Konservativen, galt noch nicht als ernsthafte Belastung, auch weil die Konservative Partei als pro-europäische Kraft in Großbritannien auftrat. Labour hingegen befürwortete Anfang der 1980er Jahre einen EG-Austritt.
Auch nach Thatchers Wahl zur Premierministerin blieb die CDU ein zentraler Kontakt. Trotz der parteipolitischen Nähe erwartete man von einem Regierungswechsel in Bonn allerdings keinen grundlegenden Kurswechsel. Kohl galt als außen- und wirtschaftspolitisch wenig profiliert, das CDU-Programm ließ aus britischer Sicht keine grundlegende Abkehr vom Kurs der sozialliberalen Regierung erkennen. Seine Wahl zum Bundeskanzler 1982 wurde daher eher verhalten positiv und abwartend als enthusiastisch aufgenommen.
Interne Einschätzungen aus Thatchers Umfeld attestierten Kohl weniger Charisma als vielmehr Fleiß, Ehrgeiz und politischen Instinkt. Dennoch deuteten die ersten Spitzentreffen auf eine gute Zusammenarbeit hin: Ihre Zusammenkunft im Oktober 1982 bezeichnete Thatcher als „true meeting of minds“. Nach Konsultationen in Bonn und einem gemeinsamen Besuch der Berliner Mauer sprach sie erneut von „derselben Wellenlänge“ – eine Formel, die ihr Pressebeauftragter Bernard Ingham auch zur öffentlichen Inszenierung engerer Beziehungen empfahl. Zeitweise wurde intern sogar erwogen, die Besuche zum Ausgangspunkt einer „special relationship“ mit der Bundesrepublik auszubauen.
Beide Regierungen hielten die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 für notwendig. Auch in der europäischen Integration hoffte die britische Regierung auf deutsche Unterstützung, insbesondere in der Frage der britischen EG-Haushaltsbeiträge während der deutschen Ratspräsidentschaft 1983. Zwar wurde erst 1984 in Fontainebleau eine langfristige Lösung erzielt, doch das Foreign Office hob die außergewöhnlichen Bemühungen Kohls hervor, eine für Großbritannien akzeptable Vereinbarung zu ermöglichen. Zudem bestand ein geteiltes Interesse, die Ausgaben der EG einzuhegen. Im Foreign Office betonte eine Einschätzung nach dem CDU-Sieg bei der Bundestagswahl 1983, Kohl könne eine der prägenden politischen Figuren der 1980er Jahre werden und seine absehbare längere Amtszeit sei ein Asset für die britische Politik.
Rückblickend betonte Thatcher, sie habe mit Kohl trotz politischer Nähe nie das gleiche Einvernehmen herstellen können wie mit dem Englisch sprechenden, wirtschaftswissenschaftlich ausgebildeten und pragmatischen Sozialdemokraten Helmut Schmidt. Kohls Betonung großer Visionen und historischer Referenzen sowie seine stärker auf persönlichen Austausch ausgerichtete Kommunikation irritierten die Premierministerin, die sich als pragmatische Vernunftpolitikerin mit tiefer Detailkenntnis verstand. Vom EG-Gipfel in Athen Ende 1983 berichtete Thatcher, sie habe große Papierstapel vor sich gehabt, im Gegensatz zu Kohl und anderen Amtskollegen. Dass bei persönlichen Gesprächen stets ein Dolmetscher benötigt wurde, erschwerte den direkten Austausch.
Unterschiedliche politische Stile und sprachliche Barrieren waren im internationalen Spitzenaustausch keineswegs ungewöhnlich und führten nicht zwangsläufig zum Zerfall persönlicher Beziehungen. Auch mit François Mitterrand oder Michail Gorbatschow fand Thatcher letztlich einen konstruktiven Umgang. Es greift daher zu kurz, ihre Beziehung zu Kohl rückblickend als Kette unüberwindbarer Missverständnisse zu deuten. Vieles spricht dafür, dass die stilistischen Unterschiede erst mit dem Aufbrechen tieferer politischer Konflikte ab Mitte der 1980er Jahre an Bedeutung gewannen.
Zu dieser Zeit gewannen die unterschiedlichen Vorstellungen über die europäische Integration an Bedeutung. Thatcher betonte später, sie habe eine freiheitliche Kooperation souveräner Nationalstaaten angestrebt, ihre westeuropäischen Amtskollegen eine stärker interventionistische und letztlich föderale Entwicklung. Ihr Unverständnis darüber, dass westliche Demokratien gerade im Moment des Zerfalls der Sowjetunion auf eine zentralisierte europäische Ordnung hinarbeiteten, äußerte sie in ihren Memoiren und zahlreichen zeitgenössischen Stellungnahmen. Selbst wenn Thatcher dafür eher historisch gewachsene nationale Interessenlagen als persönliche Charakterzüge verantwortlich machte, verschmolz dieser Grundkonflikt in ihrer Wahrnehmung zunehmend mit der Person Kohls. Zugleich blieb ihre Kritik an seinem Eintreten für eine europäische Union ambivalent. Thatcher war bewusst, dass die feste Einbindung eines vereinten Deutschlands in westliche Bündnisstrukturen zentral für die europäische Ordnung war – und deutsche Neutralitätsbestrebungen eine weit größere Gefahr darstellten als Kohls Vision einer engeren europäischen Einigung.
Ein zweiter Streitpunkt ab 1986 war der Umgang mit den atomaren Mittel- und Kurzstreckenraketen in Europa. Bei der Umsetzung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 hatte zunächst weitgehendes Einvernehmen bestanden. In den Abrüstungsverhandlungen der zweiten Hälfte der 1980er Jahre zeigte sich Kohl jedoch zunehmend offen für weitreichende Abrüstungsschritte bei landgestützten Atomraketen, während Thatcher aus tiefem Misstrauen gegenüber Moskau und den amerikanischen Abrüstungsplänen auf dem Erhalt der nuklearen Abschreckung beharrte. Damit traten auch in der transatlantischen Bündnispolitik wachsende Differenzen hervor.
Gleichwohl gelang weiterhin eine pragmatische Zusammenarbeit. Anders als im Verhältnis zu Helmut Schmidt, mit dem persönliches Einvernehmen unterschiedliche politische Grundorientierungen überbrückt hatte, beruhte die Kooperation mit Kohl nun stärker auf funktionierenden diplomatischen und institutionellen Strukturen. Insbesondere im Foreign Office drängte man darauf, etablierte Gesprächskanäle trotz wachsender Spannungen aufrechtzuerhalten. Auch auf anderen Ebenen – etwa zwischen den Zentralbanken im Europäischen Währungssystem – entwickelte sich eine sachorientierte Zusammenarbeit, die zur monetären Stabilität im Vorfeld der späteren Wirtschafts- und Währungsunion beitrug. Selbst bei direkten Gesprächen gelang es häufig, kontroverse Themen einzugrenzen, sodass andere Fragen weiterhin pragmatisch verhandelt werden konnten.
Der Blick auf die späteren erbitterten Konflikte verstellt oft gerade jene Bereiche, in denen pragmatische Zusammenarbeit weiterhin möglich blieb. Das galt für die Vollendung des europäischen Binnenmarktes ebenso wie für die Zusammenarbeit gegen den Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF) und der Irish Republican Army (IRA) oder beim Großprojekt „Eurofighter“. Auch die Umweltpolitik gerät dabei leicht aus dem Blick. Während Umweltfragen in der Bundesrepublik zunehmend an Bedeutung gewannen, warnte die ausgebildete Chemikerin Thatcher früh vor Umweltzerstörung und der Abholzung der Tropenwälder.
Im Kontext der deutschen Wiedervereinigung traten die politischen Differenzen zwischen Thatcher und Kohl besonders deutlich hervor. Zwar begrüßte Thatcher das Ende der kommunistischen Regime, fürchtete jedoch, ein zu schneller Zusammenbruch des Ostblocks könne Gorbatschows Reformkurs und die internationale Stabilität gefährden. Zugleich befürchtete sie ein Wiederaufleben deutscher Machtansprüche in Europa. Anders als die französische Regierung betrachtete sie eine vertiefte europäische Integration jedoch nicht als geeigneten Rahmen zur dauerhaften Einbindung eines vereinigten Deutschlands, da sie der Übertragung nationaler Kompetenzen an supranationale Institutionen skeptisch gegenüberstand.
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Viel diskutiert wurden Episoden, die bis heute als Ausdruck der persönlichen Entfremdung zwischen Thatcher und Kohl gelesen werden. Beim Treffen im pfälzischen Deidesheim im April 1989 versuchte Kohl vergeblich, mit einem Besuch des Speyerer Doms und regionalen Speisen seine europäische Verankerung zu vermitteln – was in Thatchers vielzitierter entnervter Bemerkung mündete, Kohl sei „so deutsch“. Auch das Chequers-Seminar im März 1990 sorgte für Empörung, als bekannt wurde, dass Thatcher dort mit eingeladenen Historikern vermeintlich deutsche Charakterzüge wie Aggressivität und Dominanzstreben konstatiert hatte. Als Industrieminister Nicholas Ridley wenige Monate später in einem Interview mit dem britischen Nachrichtenmagazin The Spectator in drastischen Worten vor einer deutschen Dominanz in Europa warnte, argwöhnten viele, er spreche Thatchers Gedanken offen aus.
Gleichwohl griffen weiterhin Mechanismen der Deeskalation. Bonn reagierte auf Ridleys Interview betont gelassen, Thatcher trennte sich von ihrem loyalen, aber impulsiven Minister. Auch das Chequers-Seminar spiegelte letztlich Vorbehalte wider, die damals hinter vorgehaltener Hand in vielen europäischen Hauptstädten kursierten.
Zudem entsprachen Thatchers ungeduldiges Agieren und rhetorisches Poltern ihrem bekannten, oft handtaschenschwingend karikierten Politikstil. In entscheidenden Momenten ließ sie durchaus Pragmatismus erkennen – so überwand sie sich auf Anraten ihres Privatsekretärs Charles Powell zu Glückwünschen zur Wiedervereinigung – auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits als isolierte Bedenkenträgerin dastand.
Mehr noch als die Episoden selbst zeigt ihre öffentliche Resonanz, wie Thatcher zur Projektionsfläche eines breiteren europäischen Unbehagens über die neue Rolle Deutschlands in Europa wurde. Wie Kohl später selbst in seinen Memoiren festhielt, begegnete ihm ähnliche Skepsis auch bei anderen europäischen Regierungschefs, die allerdings weit diplomatischer agierten.
Innen- und außenpolitische Krisen belasteten Thatcher zunehmend. Im November 1990 verlor sie die Unterstützung ihrer Partei und trat nach elf Jahren als Premierministerin zurück. Politisch wirkte der Thatcherismus jedoch weit über ihre Amtszeit hinaus: Ihr Nachfolger John Major führte zentrale Reformen fort und selbst Labour bekannte sich unter Tony Blair zu marktwirtschaftlichen Prinzipien.
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Auch nach dem Ende ihrer Regierungszeiten prägten Thatcher und Kohl die Erinnerung an ihr Verhältnis politisch mit. Während Kohl bis 1998 im Amt blieb und eng mit der Wiedervereinigung verbunden war, inszenierte sich Thatcher zunehmend als Warnerin vor einer übergreifenden europäischen Integration. Beide hatten ein Interesse daran, die Beziehung rückblickend konflikthafter erscheinen zu lassen – Thatcher zur Selbstinszenierung als europäische Warnerin, Kohl zur Relativierung der britischen Sonderrolle. Für Öffentlichkeit und Geschichtsschreibung blieb die Vorstellung zweier gegensätzlicher politischer Charaktere besonders attraktiv.
Ein historischer Blick jenseits dieser Zuspitzung zeigt jedoch eine komplexere Realität: Trotz erheblicher Spannungen blieb die deutsch-britische Zusammenarbeit über Jahre von pragmatischer Kooperation, diplomatischen Strukturen und gemeinsamen Interessen geprägt. Die Beziehung zwischen Thatcher und Kohl verweist damit zugleich auf die Grenzen personalisierter Geschichtserzählungen.