Bundesregierung/Engelbert Reineke
* geboren 24.09.1934
in
Stuttgart
† gestorben 13.08.1994
in
Brüssel
Bundesminister, Generalsekretär der NATO Dr. jur.
| 24.09.1934 | geboren in Stuttgart |
| 1944-1953 | Johannes-Kepler-Gymnasium, Stuttgart |
| 1953 | Abitur |
| 1953 | Eintritt in die Junge Union |
| 1953-1956 | Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, Paris und München |
| 1956 | Eintritt in die CDU |
| 1957 | Erstes Staatsexamen in München |
| 1961 | Zweites Staatsexamen in Stuttgart; Promotion zum Dr. jur. („Strafgerichtsbarkeit über Truppen bei einverständlichem Aufenthalt auf fremdem Staatsgebiet“) |
| 1961 | Regierungsassessor im Landratsamt Öhringen |
| 1962 | Assistent in der Verwaltung des Landtages von Baden-Württemberg in Stuttgart |
| 1965 | Regierungsrat im Landratsamt Göppingen |
| 1965-1988 | Mitglied des Deutschen Bundestages (direkt gewählt im Wahlkreis Göppingen) |
| 1966 | Ausbildung zum Starfighterpiloten der Bundeswehr |
| 1968 | Leutnant, Oberleutnant |
| 1970 | Hauptmann |
| 1974 | Major |
| 1977 | Oberstleutnant der Reserve |
| 1966-1982 | insgesamt 38 Wehrübungen bei der Bundesluftwaffe |
| 1968-1972 | Geschäftsführender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin |
| 1969-1972 | Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag |
| 1972 | Heirat mit Anna Maria, geb. Cäsar |
| 1972-1988 | Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Konrad-Adenauer-Stiftung |
| 1973 | Mitglied im Bundesvorstand der CDU |
| 1976-1980 | Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages |
| 1982 | Heirat mit Elfie, geb. Reinsch |
| 1982-1988 | Bundesminister der Verteidigung |
| 1988-1994 | Generalsekretär der NATO, Amtszeit 1991 und 1993 verlängert |
| 1988-1994 | Mitglied des Vorstandes der Konrad-Adenauer-Stiftung |
| 13.08.1994 | gestorben in Brüssel |
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| Auszeichnungen und Ehrungen | |
| Verleihung von Ehrendoktorwürden sowie zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen, u.a.: | |
| 1994 | Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
| 1994 | Eric-M.-Warburg-Preis |
| 1994 | Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg |
| 1994 | Ehrenbürger seines Wohnortes Wäschenbeuren |
| seit 1996 | jährliche Verleihung der Manfred-Wörner-Medaille des Bundesministers für Verteidigung an Persönlichkeiten, die sich in „besonderer Weise um Frieden und Freiheit in Europa verdient gemacht haben“ |
| Einrichtung des Manfred-Wörner-Stipendiums an den Bundeswehrhochschulen in Hamburg und München | |
| 1998 | Einweihung des Manfred-Wörner-Hauses für Partner-Delegationen durch NATO-Generalsekretär Javier Solana |
| 1998 | Gründung der Manfred-Wörner-Stiftungen in Ungarn, Rumänien und Bulgarien |
Manfred Wörner wurde am 24. September 1934 als zweiter Sohn eines Textilkaufmanns und dessen Ehefrau, in Stuttgart-Bad-Cannstadt geboren. Kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes las die Mutter die Memoiren des erfolgreichen Jagdfliegers im Ersten Weltkrieg, Manfred von Richthofen. Tief beeindruckt von der Lektüre, entschloss sich Kläre Wörner ihren Sohn Manfred zu nennen. Das Militärische sowie der Traum vom Fliegen, die für Wörner später charakteristisch sein sollten, wurden ihm somit in die Wiege gelegt.
Den Zweiten Weltkrieg erlebte Wörner als Kind in Stuttgart. Als Jungvolkpimpf musste er vor Kriegsende noch einen „Treueschwur“ leisten. Bei einem alliierten Luftangriff im März 1944 wurde das Elternhaus zerstört und die Mutter mit ihren beiden Söhnen verschüttet. Dieses Erlebnis sollte für Wörners politisches Verständnis prägend bleiben.
Nach dem Besuch des Johannes-Kepler-Gymnasiums begann er 1953 das Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und München. Zudem absolvierte er einige Semestern an der Sorbonne Université in Paris. Seine spätere, internationale Reputation als Spitzenpolitiker gründete sich mitunter auf seinen ausgezeichneten Sprachkenntnissen in Englisch und Französisch. Die Grundsteine dafür legte er in diesen frühen Jahren seiner Studienzeit. Nach dem 2. Juristischen Staatsexamen und einer Dissertation zum Thema „Strafgerichtsbarkeit über Truppen bei einverständlichem Aufenthalt auf fremdem Staatsgebiet“ nahm er 1961 eine Tätigkeit als Regierungsassessor beim Landratsamt in Öhringen auf.
Bereits in seiner Dissertation zeigte sich Wörners ausgeprägtes Interesse für militärischen Belange. Obwohl Teil eines sogenannten „weißen Jahrgangs“, war es sein eigentlicher Berufswunsch, Soldat zu werden. Laut eigenen Aussagen wurde ihm dies jedoch von seinem Vater untersagt. So entschloss er sich auf dessen Druck Jurist zu werden.
1962 Jahr erfolgte der Wechsel zur Landtagsverwaltung nach Stuttgart, in der Wörner erste Erfahrungen mit dem parlamentarischen Betrieb sammeln konnte. Die Jahre im Stuttgarter Landtag prägten den weiteren Lebensweg.
1965 wurde Manfred Wörner, der 1953 der JU und 1956 der CDU beitrat, für den Wahlkreis Göppingen in den Deutschen Bundestag gewählt und war mit 30 Jahren der jüngste Abgeordnete. Zu seinen politischen Ziehvätern gehörten Eugen Gerstenmaier und Bruno Heck. Letzterer war es auch, der ihn 1968 als Geschäftsführenden Vorsitzenden in die Konrad-Adenauer-Stiftung holte. Schwerpunkte seiner vierjährigen Amtszeit waren die internationale Zusammenarbeit und entwicklungspolitische Arbeit der Stiftung. Nach der Bundestagswahl 1969 wurde Wörner zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion gewählt und setzte sich bei der Wahl zum Vorsitzenden der Landesgruppe der baden-württembergischen Abgeordneten gegen den langjährigen Amtsinhaber Eduard Adorno durch.
Bis mindestens 1970 wollte Wörner sich nicht auf einen Fachbereich beschränken. Auf Bundesebene fokussierte er sich auf mehrere Bereiche, wie Fragen der Parlamentsreform sowie Entwicklungs- und Sportförderung. Zeitgleich fand der junge Abgeordnete anderweitig den Weg zurück zu seiner militärischen Leidenschaf.1966 entschied er sich zur Ausbildung als Reserveoffizier und ging aufgrund seiner Begeisterung für die Fliegerei –, nachdem die Alliierten 1951 die zivile Luftfahrt wieder zugelassen hatten, ließ Wörner sich bereits zum Piloten von Kleinflugzeugen ausbilden – zur Luftwaffe. Seine Ausbildung zum Kampfjetpiloten absolvierte er beim Jagdbombergeschwader 34 in Memmingen. Seinen Zivilflugführerschein ergänzte er mit einer Ausbildung zum Jetpiloten und erhielt infolgedessen den Militärflugführerschein. Bis zu seinem Amtsantritt als Verteidigungsminister 1982 absolvierte Wörner in Folge zahlreiche Wehrübungen bei der Bundesluftwaffe an diversen Standorten. Bis 1977 stieg er bis zum Oberstleutnant der Reserve der Luftwaffe auf.
Gegen 1971 wandte Wörner sich endgültig der Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu. Er entwickelte sich rasch zum Experten in diesen Fragen in seiner Fraktion und war bereits 1972 im Schattenkabinett des CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Rainer Barzel für das Amt des Verteidigungsministers vorgesehen. In den folgenden Jahren konnte sich Manfred Wörner einen Namen als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verteidigung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion machen. Der sicherheitspolitische Kongress der CDU 1975 in Koblenz trug seine Handschrift. 1976 übernahm Wörner den Vorsitz des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages. Er war zutiefst davon überzeugt, dass die Sicherheit Deutschlands nur durch das uneingeschränkte Bekenntnis zur Freundschaft mit den USA und eine starke Bundeswehr gewährleistet sei.
Am 4. Oktober 1982 wurde Manfred Wörner, inzwischen Oberstleutnant der Reserve, von Bundeskanzler Helmut Kohl in das Amt des Verteidigungsministers berufen. Sprachgewandtheit und Sachkenntnis machten Wörner im Kreis der NATO-Verteidigungsminister zu einem geachteten Verhandlungspartner.
Zu den ersten wichtigen Aufgaben seiner Amtszeit zählte die Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses, die die christlich-liberale Koalition von ihrer Vorgängerregierung geerbt hatte. Wörner war ein überzeugter Unterstützer dieses Beschlusses, nahm aber zugleich die Sorgen und Nöte der Bevölkerung in dieser Zeit durchaus ernst. Unter seiner Regie entstanden mehrere Publikationen, unter anderem das Weißbuch 1983, welches sich ausschließlich mi der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Bundesregierung auseinandersetzte, welche die Bürgerinnen und Bürger von den Argumenten der Bundesregierung in Fürsprache für die Nachrüstung überzeugen sollte.
Ende 1983 geriet der Minister angesichts der Vorgänge um die umstrittene Versetzung des Generals Günter Kießling in den einstweiligen Ruhestand in die Schlagzeilen. Bundeskanzler Kohl lehnte das Rücktrittangebot seines Ministers ab. Ende des Jahres gelang es Wörner, das Konzept für die Modernisierung der Bundeswehr umzusetzen. Eckpfeiler waren die Sicherung des Personalbestands der Bundeswehr durch eine vorzeitige Zurruhesetzung von circa 1.200 Offizieren, um den Nachwuchs sicherzustellen, sowie die Verlängerung der Wehrpflicht von 15 auf 18 Monate. Hinzu kamen die Modernisierung und Verstärkung der atomaren Kurzstreckenraketen und eine deutsche Beteiligung am SDI-Programm des damaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Neben der engen Bindung an die USA war die sicherheitspolitische Annäherung an Frankreich ein weiterer wichtiger Grundpfeiler seiner verteidigungspolitischen Überlegungen. Wörner zählte zu den wenigen Spitzenpolitikern in dieser Zeit, die als überzeugte Transatlantiker auch frankophile Politik unterstützten. Nach dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow blieb Wörner zunächst skeptisch gegenüber dessen Reformbemühungen. Später erkannte er die Zeichen der Zeit und suchte ein neues Verhältnis zur Sowjetunion und zu den Staaten des Warschauer Paktes. So nahmen im Herbst 1987 erstmals NATO-Offiziere als Beobachter an Manövern des osteuropäischen Bündnisses teil.
Wie kaum ein anderer Politiker vor ihm war Wörner bestens auf dieses Amt vorbereitet. Neben seiner Fachkompetenz strebte er diesen Posten zudem nicht aus politischem Kalkül, sondern vielmehr aus eigenem Wunsch an. Hinzu kamen seine Erfahrungen als gedienter Bundeswehrsoldat, der die Sorgen und Nöten der Soldaten aus erster Hand kannte. Dies brachte ihm auch immer wieder ein besonderes Verhältnis zur Truppe ein, was durchaus als Alleinstellungsmerkmal Wörners bezeichnet werden kann.
1988 übernahm Manfred Wörner als erster und bis heute einziger Deutscher das Amt des NATO-Generalsekretärs. In seiner Antrittsrede beschrieb er die Allianz als Garant der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde, mit der die Sicherheit und das Schicksal Deutschlands auf das Engste verknüpft sind. Zu seinen bleibenden Verdiensten als NATO-Generalsekretär zählen die Anpassung der Allianz an die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des Ostblocks. Im Juli 1990 stellten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Staaten das Ende des Ost-West-Konfliktes fest. Wörners Moskau-Reise Mitte Juli 1990 legte mit den Grundstein für den Verbleib des wiedervereinigten Deutschlands in der NATO. Das Ende der Sowjetunion läutete die Neuorientierung des Verteidigungsbündnisses im europäischen Sicherheitssystem ein. Manfred Wörner schuf dazu die Basis und war einer der ersten, die die Möglichkeiten des Amtes bis an die Grenzen ausnutze und somit politischen Gestaltungswillen entfaltete.
Wörner war zudem ein großer Fürsprecher der NATO-Beteiligung in den Kriegen nach dem Zerfall des jugoslawischen Staates. Mit unerbittlichem Nachdruck versuchte er die Partner im Bündnis, vor allem die USA, von einer Notwendigkeit des militärischen Einsatzes zu überzeugen. Bereits schwer krank, leitete er bis kurz vor seinem Tod noch Sitzungen des Nordatlantikrates und entfaltete in dieser Rolle seine weltpolitische Bedeutung.
Die weitere Entwicklung konnte er nicht mehr erleben; er erlag am 13. August 1994 in seiner Brüsseler Dienstwohnung seiner Krebserkrankung. Im Rahmen eines Staatsaktes würdigte ihn Bundeskanzler Helmut Kohl als „deutschen Patrioten“ und „kraftvolle Führungspersönlichkeit“, dem es gelang, „das Bündnis für neue Partner aus dem ehemaligen Warschauer Pakt zu öffnen“, und der dazu beitrug, „dass die NATO jetzt eine gestaltende Rolle beim Aufbau einer neuen europäischen Sicherheitsordnung einnimmt.“
Wörner, Manfred: Für Frieden in Freiheit. Reden und Aufsätze. Hg. von Günter Rinsche/Gerd Langguth. Berlin 1995.
Ferdinand, Horst: Manfred Hermann Wörner. In: Bernd Ottnad (Hg.): Baden-Württembergische Biographien, Bd. 2. Stuttgart 1999, S. 494-502.
Das politische Leben Manfred Wörners dokumentiert im Archiv für Christlich-Demokratische Politik ein umfangreicher Nachlass von 15 laufenden Archivmetern Schriftgut. Der Bestand enthält über 800 Fotografien, persönliche Dokumente wie Ausweise, das Familienwappen, Schulhefte und Studienbücher, Tagebuchnotizen und eine umfangreiche persönliche Korrespondenz mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt sowie eine Reden- und Artikelsammlung. Des Weiteren wurden Orden, Ehrenmedaillen und sein Flugkoffer, den er bei seinen Reisen mit sich führte, dem Archiv übergeben. Erwähnenswert ist auch die von seiner Witwe Elfie Wörner zusammengestellte Dokumentation zahlreicher posthumer Ehrungen und Würdigungen. Neben Gedenkfeiern und der Benennung von Straßen und Plätzen im Wahlkreis Göppingen sind die Vergabe der Manfred-Wörner-Medaille durch das Bundesverteidigungsministerium, die Einrichtung eines Manfred-Wörner-Stipendiums an den Bundeswehr-Hochschulen München und Hamburg sowie das von der NATO in Brüssel 1998 eröffnete Manfred-Wörner-Haus besonders hervorzuheben. Der Nachlass Manfred Wörners ist im Rahmen der Benutzungsbedingungen des Archivs zugänglich. Für Forscher und Forscherinnen ist er eine Fundgrube zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Union seit den 1970er Jahren.